Haus Schulenburg Gera

1913 / 14 entwarf Henry van de Velde Haus Schulenburg für die Familie des Industriellen Paul Schulenburg. Das Gebäude nimmt viele Gestaltungselemente des Bauhauses und Art Deco vorweg.

Gesamtansicht Süd mit Familie um 1920

Gesamtansicht Süd mit Familie um 1920

Die Innenarchitektur des Hauses Schulenburg blieb nicht lange unangetastet.1937, nach dem Tod von Paul Schulenburg, wurde das Haus durch die Söhne Wolfgang und Richard umgebaut zum Zwei-Familienhaus.

Von 1949 bis 1990 befand sich im Haus Schulenburg eine Medizinische Fachschule. Die Einrichtung von Hörsälen, Laborräumen sowie Wohn- und Übernachtungsmöglichkeiten für die Schülerinnen hatte weitere Veränderungen der Raumstruktur zur Folge.

Erfolgreiche Rettung

Der gesamte Haus- und Gartenkomplex steht unter Denkmalschutz und wurde von 1997 bis 2013 restauriert. Haupthaus, Nebengebäude, Innenhof, die gesamte Gartenanlage einschließlich Terrassen und historischer Bepflanzung sind wieder hergestellt. Die Innenräume haben ihre ursprünglichen Wandverkleidungen (Holz, Stoff, Stuck, Tapeten) und Farbgebungen zurück erhalten und wurden zum Teil mit den Originalmöbeln ausgestattet, die van de Velde exklusiv für das Haus Schulenburg entworfen hatte (Hersteller: Fritz Scheidemantel, Weimar).

Gesamtansicht Süd 2012

Gesamtansicht Süd 2012

Um 1919 / 1920 plante van de Velde auf dem angrenzenden Gelände von 11.400 Quadratmetern einen Gartenbaubetrieb mit Gärtnerhaus, zahlreichen Gewächshäusern, einem Seerosenteich und einer Brunnenkaskade.

Paul Schulenburg hatte deutschlandweit die größte Orchideensammlung. Schon 1937 wurden die Gewächshäuser wegen mangelhafter Rentabilität abgerissen und das Gelände verkauft. Auf einer Teilfläche von etwa 4.000 Quadratmetern dieses ehemaligen Gartenbaubetriebes, welche unmittelbar westlich vom Grundstück des Wohnhauses liegt, wurde im Jahre 1957 ein 60 m langes 3-stöckiges Schwesternwohnheim gebaut. Dem musste die Brunnenkaskade weichen. Der Seerosenteich wurde erst im Jahre 1999 nach Parzellierung des Restgeländes zugunsten von drei Einfamilienhäusern zerstört. Im Winter 2013 / 14 erfolgte der Abriss des seit 2001 leer stehenden und sanierungsbedürftigen Schwesternwohnheimes. Die Topografie des Geländes wird zur Zeit anhand des historischen Planes der Gesamtgartenanlage und mit Hilfe anderer historischer Befunde wieder hergestellt, die Achse der ehemaligen Brunnenkaskade als eine zentrale Wegführung wieder aufgenommen.

Einzigartige Sammlungen im Henry van de Velde Museum

Das Hauptgebäude beherbergt das „Henry van de Velde Museum“ – Mitglied des Thüringer Museumsverbandes – mit einer umfangreichen Sammlung von Buchgestaltungen Henry van de Veldes, Thilo Schoders und seltenen Ledereinbänden des „Bauhausbuchbinders“ Otto Dorfner, Weimar. Aus dem künstlerischen Umfeld van de Veldes werden Arbeiten der Bildhauer Constantin Meunier und Richard Engelmann sowie Grafiken von Walther Klemm, Ludwig von Hofmann, Max Thalmann und „konkrete Kunst“ von Max Bill gezeigt. Eine Sammlung von Keramik aus Bürgel (Carl Gebauer, Walter Gebauer, Carl Fischer) und Korbmöbeln aus Tannroda der Firma Bosse machen den Einfluss van de Veldes auf das thüringische Kunsthandwerk sichtbar. Ergänzt wird die Sammlung durch zahlreiche Gemälde des Künstlerehepaars Hilde Linzen Gebhardt und Heinrich Linzen aus Weimar. Nach der Ausbildung an der Großherzoglichen Kunstschule führten beide in den 1920er und 1930er Jahren Auftragsarbeiten für die Familie und die Firma Schulenburg aus.

Ein Ort für besondere Veranstaltungen

Das Ambiente von Haus Schulenburg bietet einen besonderen Rahmen für standesamtliche Trauungen, Konzerte, Lesungen und Festlichkeiten. Eine Kleinkunstbühne (70 Plätze) ist ein beliebter Ort für Kabarett und Jazz; der weitläufige Park ist geeignet für Open Air-Veranstaltungen und für die Ausstellung von Skulpturen.